Ungarisch
von Zsuzsanna Stüven
Sprache: Ungarisch (magyar nyelv)
Sprecher: Muttersprache für ca. 10 Mio. Menschen
Amtssprache in: Republik Ungarn
Sprachcode nach ISO: hu
Merkmale der ungarischen Sprache
- Uralische Sprachfamilie, finnisch-ugrischer Zweig (wie auch Finnisch, Estnisch und Saamisch), Schreibrichtung von links nach rechts
- In der Rechtschreibung wird die der Aussprache entsprechende (phonetische) Schreibweise angewandt.
- Lateinische Alphabetschrift mit zusätzlichen Konsonanten (cs, dz, dzs, gy, ly, ny, ty, zs). Die Konsonanten ch, q, w, x und y kommen nur in Fremdwörtern vor. Jeder Laut hat nur ein Zeichen und jeder Buchstabe einen Lautwert. Es gibt kurze und lange Laute, die langen Konsonanten werden durch Verdoppelung des Buchstabens gekennzeichnet. Die jeweilige Kürze und Länge, die Stimmhaftigkeit und Stimmlosigkeit der Konsonanten spielen bei der Veränderung der Bedeutung und Funktion der Wörter im Satz eine große Rolle. Auch die Vokale unterscheiden sich durch Kürze und Länge. In der Schrift wird die Länge mit einem einfachen (á, é, í, ó, ú) oder doppelten (õ, û) von oben nach unten verlaufenden Strich über dem betreffenden Vokal bezeichnet.
- Eines der charakteristischen Merkmale der ungarischen Sprache ist die Agglutination: Veränderungen der Bedeutung und Funktion der Wörter im Satz wird durch ihre Endungen ausgedrückt. Im Gegensatz zur analytischen Struktur des Deutschen ist die ungarische Sprache synthetischer Natur und bestimmte Relationen werden zu einer einheitlichen Wortgestalt verdichtet („házam“ = „mein Haus“; „látlak“ = „ich sehe dich“).
- Ungarische Substantive haben kein Geschlecht. Auch Pronomina in der 3. Person Singular sind nur in einer Form vorhanden, weswegen im Ungarischen immer nur „er“ stehen kann.
- Das Ungarische hat 19 Endungen, die als Kasussuffixe eingesetzt und an Substantive angehängt werden.
- Verbpräfixe spielen eine wesentliche Rolle, weil sie die Richtung einer Handlung anzeigen („megy“ = „er/sie geht“ „bemegy“ = „er/sie geht hinein“). Im Laufe der Sprachentwicklung ergab sich daraus zusätzlich eine perfektivierende Wirkung, das heißt Präfixe können die Vollendung einer Handlung oder eines Zustandes ausdrücken („tanul“ = „er/sie lernt etwas“, „megtanul“ = „er/sie hat etwas gelernt“).
- Das Ungarische besitzt auch ein Passiv, allerdings nur noch im veralteten Amtsungarisch. In der heutigen Standardsprache ersetzen es unpersönliche Verben.
- s gibt nur drei Zeitformen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
- Oft wird behauptet, dass der ungarische Satz keine feste Wortfolge habe. Üblicherweise steht aber die für den Kontext signifikante Information unmittelbar vor dem konjugierten Verb. Alle anderen Satzteile, einschließlich des Subjekts, bewegen sich um das Verb herum.
Besonderheiten bei der Übersetzung ins Ungarische
- Passivkonstruktionen in deutschen technischen Texten können nur umständlich übersetzt werden.
- Komposita lassen sich fast nur durch verschachtelte, zusammengesetzte Sätze übertragen.
- Es ist zwar ein technisches Wörterbuch verfügbar, aber für Übersetzungen spezieller technischer Bereiche stehen keine geeigneten Hilfsmittel zur Verfügung. Für das einfache Wort „Dreibein“ steht im Wörterbuch eine wortwörtliche Übersetzung anstatt zum Beispiel „triéder“. Das Wort „Platine“ (= „nyomtatott áramkör“) ist nur in Online-Wörterbüchern zu finden. Selbst das Wort „Entsorgung“ steht nicht im Wörterbuch.
- Die Rechtschreibung neuer Begriffe ist nicht einheitlich („interface“ oder „interfész“).
- Der hohe Anteil englischer Bezeichnungen in deutschen Texten erschwert die Übertragung ins Ungarische.
Deutschsprachige Literatur
- Béla Szent-Iványi, Der ungarische Sprachbau, Buske Verlag, Hamburg, 1995.
- Deutsch-Ungarisches Großwörterbuch, Akadémiai Kiadó, Budapest, 1998.
Deutschsprachige Quellen im WWW
www.ungarische-botschaft.de
http://dict.sztaki.hu
www.altavizsla.hu
www.origo.hu
Zsuzsanna Stüven
www.ungarische-botschaft.de
http://dict.sztaki.hu
www.altavizsla.hu
www.origo.hu
Zsuzsanna Stüven